3. Wachhauspreis 2026 der Stiftung Insel Hombroich

Hochschulnachricht

5. Mai 2026

Foto: Personen auf einer Bühne. Eine Person in der MItte mit Blumenstrauß.
3. Wachhaus-Preis 2026, Foto: Mark Spörel

Sechs Studierende der Kunstakademie Düsseldorf haben das am Eingang der Raketenstation Hombroich befindliche Wachhaus erneut ein Jahr lang im zweimonatigen Rhythmus mit sechs sehr verschiedenen Interventionen bespielt. Die Gemeinschaft der in Hombroich Lebenden und Arbeitenden hat nun aus diesen Beiträgen das in ihren Augen überzeugendste Werk ausgewählt.

Die Nominierten:

Wachhaus #13: Jaro Schönefeld, Ich bin gleich wieder da
Wachhaus #14: Benita Thisbe Tauer, Enjoy Your Soft Protection
Wachhaus #15: Valentin Vernon Musialik, Auf der Suche nach der Sauce
Wachhaus #16: Jan Ribbers, Verlaufen
Wachhaus #17: Antonia Hermes, fuzzies
Wachhaus #18: Hanna Maxi, Each one had a name as long as it lasted

Jan Ribbers erhält 2026 den 3. Wachhaus-Preis für seine Installation „Verlaufen“. Mit seinem künstlerischen Beitrag thematisierte er die Architektur des Gebäudes selbst: Das bestehende Regenwasser-Fallrohr des Wachhauses verlängerte er und legte es einmal um das Haus herum, bevor das Rohr wieder an der ursprünglichen Stelle den Boden erreichte. Die Intervention griff damit in eine bestehende funktionale Ordnung ein, ohne sie aufzulösen. Der Zweck blieb erhalten, der Verlauf veränderte sich. „Verlaufen“ beschreibt hier sowohl die Bewegung des Wassers als auch eine mögliche Desorientierung und thematisiert die Ambivalenz von Umwegen.

Im besten Sinne irritierend war dabei nicht nur Jan Ribbers Eingriff in den Verlauf des Regenrohrs an sich, sondern auch der daraus resultierende Eingriff in die Funktion und Nutzungsmöglichkeit des Wachhauses: Das Fallrohr umrundete das Gebäude einmal vollständig und versperrte damit auch den Eingang. Aus der Baukunst kommend verweist Ribbers damit auf die veränderte Funktion des Gebäudes: Welchen Zweck hat das Wachhaus heute noch, wie sind Innen- und Außenraum miteinander verschränkt, auf welche Weise tradiert sich die historische Funktion der Be- und Überwachung in die Gegenwart, und verändert sich die Wahrnehmung von Funktionsarchitektur, wenn der wesentliche Aspekt der Zugänglichkeit plötzlich entfällt?

Mit einer einfachen, aus der Baulogik selbst abgeleiteten Geste verschob Jan Ribbers die Wahrnehmung von Raum und Funktion auf überzeugende Weise und thematisierte anschaulich und mit künstlerischen Mitteln Aufgaben und Notwendigkeiten von Architektur.